So kannst du Liquidität im Unternehmen auch ohne Unterstützung (d)einer Bank schnell verbessern! | Teil 1

Liquidität verbessern

Wann hilft mir meine Bank, wann sollte ich mir selbst helfen?

Deine Liquidität ist knapp und du fragst dich, ob dir deine Bank helfen wird deine Liquidität zu verbessern oder ob du andere Wege finden musst?

Der einfachste Weg das herauszufinden, ist deinen Bankberater anzurufen. In einem Telefonat oder auch in einem Gespräch in der Bank kannst du abklären, ob ein Antrag auf Liquiditätsunterstützung bei deiner Bank überhaupt sinnvoll ist.

Damit du in einem Telefonat mit deinem Bankberater deinen Geld-/Liquiditätsbedarf benennen kannst, solltest du zuerst eine Planung zu deinen zukünftigen Umsätzen und Kosten und auch zu deinem Liquiditätsverlauf aufstellen.

Keine Sorge: Dir einen Überblick zu verschaffen ist keine vertane Zeit, falls es mit der Bank nicht funktioniert. Du brauchst sowieso einen Überblick über den weiteren Verlauf, sofern deine Liquidität knapp ist – ob mit oder ohne Bank.

Ob und in welcher Höhe dir deine Bank dann tatsächlich hilft, hängt zum Großteil von deinem bisherigen Rating, deinen aktuellen Ergebnissen, deiner Planung und manchmal auch von einer Sicherheit für die Bank ab.

Wenn deine bisherigen Ergebnisse und deine Kontoführung durch deine Bank als gut bis durchschnittlich bewertet werden, hast du schonmal gute Voraussetzungen. Die Bewertung (dein Rating) kannst und solltest du von Zeit zu Zeit bei deinem Bankberater erfragen.  Wenn aus deiner Planung zudem erkennbar ist, dass du mithilfe einer Unterstützung deiner Bank die Liquiditätslücke schließen kannst (und zukünftig ausreichend Gewinne zu erwarten sind) machen Bankgespräche dazu Sinn. Im Zusammenhang mit der Planung ist es dabei wichtig, dass die Gründe für Verluste oder andere Gründe für deine aktuelle Liquiditätslücke offenlegst und Wege für die Verbesserung nachvollziehbar darlegst.

Hast du ein schwaches Rating bei deiner Bank und/oder eine aus deiner Sicht zu große Liquiditätslücke und/oder hast in Telefonaten mit deinem Bankberater gemerkt, dass er alles sehr kritisch sieht? Dann empfehlen wir dir Kontakt zu einem erfahrenen Krisen-/Sanierungsberater aufzunehmen. Ggf. kannst du auch zur zuständigen IHK oder Handwerkskammer Kontakt aufnehmen, Hier gibt es nach unserer Erfahrung bei Problemen allgemeine, teilweise auch spezielle Lösungsvorschläge im Rahmen der Möglichkeiten des jeweiligen Betriebsberaters.

Ergänzend zu Bankgesprächen oder auch, um unabhängiger von deiner Bank zu sein, kannst du auch folgende andere Möglichkeiten prüfen, um die Liquidität im Unternehmen zu verbessern.

1. Diese Finanzierungsmöglichkeiten gibt es neben einem Bankdarlehen noch

Um deine Liquidität zu verbessern gibt es weitere – oft vergessene – Finanzierungsmöglichkeiten. Diese schlummern in deinem Unternehmen und lassen sich ofmals leichter in Liquidität umwandeln, als über eine Finanzierung durch eine Bank.

Vermögen in liquide Mittel umwandeln

  • Bestandsabbau – prüfe, ob du Waren und Produkte aus dem Lager verkaufen kanst
  • Sale-and-lease-back ausgewählter Vermögensgegenstände des Anlagevermögens
    (Das ist der Verkauf von Maschinen, Fahrzeugen und ggf. auch Immobilien deines Unternehmens an eine Leasinggesellschaft, um durch den Kaufpreis eine Einmalzahlung zu erhalten und die Maschinen danach weiter gegen Zahlung von Leasingraten weiter zu nutzen)
  • Beleihung von Versicherungsverträgen – frag bei deiner Versicherung nach, ob du bei bestehende Verträge (z.B. Lebensversicherungen, die bereits einen Rückkaufwert haben) einen Kredit bekommst

Verbesserung Forderungsmanagement

  • Anpassung (Verkürzung) von Zahlungszielen
  • Auslagerung des Forderungsmanagements

Zusätzliche liquide Mittel generieren

  • Einlagen von Gesellschaftern/Inhaber oder Dritten (Beteiligung)
  • Aufnahme von Fremdmitteln, Erhöhung der langfristigen Verbindlichkeiten
  • Lieferantendarlehen vergrößern (Verlängerung Zahlungsziele, Erhöhung der Einkaufslinien)

2. Was kann ich machen, damit meine Kunden schneller zahlen?

Du kannst deine Liquidität verbessern, indem du dafür sorgst, dass deine Kundenrechnungen schneller gezahlt werden. Eine schnelle Zahlung durch deine Kunden verfolgt zwei Ziele:

  1. weniger Liquiditätsbindung und
  2. Risikominimierung von Zahlungsausfällen, je schneller du dein Geld bekommst

Ausnahme: Wenn eine Warenkreditversicherung oder Bankbürgschaft besteht, kann du das Ausfallrisiko (losgelöst von einer schnellen Zahlung) minimieren oder je nach Ausgestaltung ganz ausschalten – die Absicherung kostet aber in der Regel Geld.

Grundsätze die du möglichst immer beachten solltest!

Uns ist bewusst, dass es in einem ausgeglichenen Markt, bei denen beide Seiten ein ähnlich hohes Interesse an einem Geschäfts haben, ein vorteilhaftes Geschäft nicht ganz so leicht zu erzielen ist.

Folgende Grundsätze solltest du aber trotzdem verfolgen:

★ Zahlungsziele möglichst vor dem Geschäft in deinem Sinne verhandeln.

  • Versuche zunächst Waren/ Dienstleistung gegen sofortige Zahlung im Vorfeld zu vereinbaren. Je einzigartiger und gefragter dein Produkt/ Dienstleitung, desto leichter wird dir das auch gelingen.
  • Plane einen Rabatt/ Nachlass für Sofortzahlung ein, sofern alles andere passt und es dann nur noch davon abhängt, kannst du diesen Sofortzahlungsrabatt anbieten
  • Bedenke, wieviel Arbeit du, deine Buchhaltung bzw. Mitarbeiter sparen, wenn sie keinen offenen Posten im Blick haben müssen und ihr euch keine Gedanken über ein Ausfallrisiko machen müsst

★ Arbeitest du in einem Markt, der härter umkämpft ist, werden Zahlungsziele ggf. von dir erwartet

  • Wenn sich die Einräumung von Zahlungszielen nicht vermeiden lässt, lege eine Bagatellgrenze fest
  • Oberhalb dieser Bagatellgrenze ziehe Auskünfte von Wirtschaftsauskunfteien bei, die geben zumindest einen Trend zum Kunden wieder – bitte vertraue diesen Auskünften nicht blind.

Entdecke in unserem Blogartikel, wie Wirtschaftsauskünfte deine Chancen bei einem Kreditantrag verbessern können.

  • Bei größeren Projekten oder auch bei größeren Verkäufen verhandle mit dem Kunden Abschlagszahlungen bzw. eine Teil-Anzahlung.
    Biete zusätzlich ein Skonto an, bonitätsstarke Unternehmen werden das Skonto in der Regel nutzen
  • Überdenke den Abschluss einer Kreditausfallversicherung
  • Kalkuliere Nachlässe, Zinsen, Skonti, Prämien für Ausfallversicherung in der jeweiligen Konstellation in deinen Angebotspreis ein
  • Bei Neukunden solltest du trotzdem zunächst auf eine Vorkasse oder Sofortzahlung drängen, auch hier ggf. gegen Sofortzahlungsrabatt.

Factoring

Überlege, ob Factoring eine Lösung für dich ist, um deine Liquidität zu verbessern. Es gibt Factoring-Verträge mit Übernahme des Ausfallrisikos (Delkredere / echtes Factoring genannt) und ggf. Inkasso (wenn Kunden nicht zahlen) und es gibt welche ohne Übernahme des Ausfallrisikos (unechtes Factoring genannt).

Die Factoring-Gesellschaft vergibt für deinen Kunden ein Limit und prüft ihn in diesem Zusammenhang. Sie bezahlt deine Rechnung gleich an dich und dein Kunde erhält ein Zahlungsziel und zahlt später an die Factoring-Gesellschaft.

Factoring kann eine Lösung sein, ist es aber nicht automatisch für jedes Unternehmen. Mehr zu Thema Factoring erfährst du in unserem Blogbeitrag zum Thema „Factoring Vor- und Nachteile“

Rückstände

Zahlen die Kunden nicht pünktlich, dränge auf einen schriftlichen Zahlungsplan. Dieser sollte Teilbeträge zu konkret benannten Terminen enthalten, zu denen das Geld auf deinem Konto ist. Lass dich nicht mit schwammigen Aussagen wie z.B.  Geld wird angewiesen oder hängt von diesem oder jenen ab hinhalten. Es gibt wahre Meister im Markt, die geschickt Zahlungsziele erheblich verzögern, bis hin, dass sie am Ende einen Teil der Rechnung gar nicht bezahlen wollen.

Wenn das nicht gerade der langjährige Topkunde mit nachvollziehbaren Begründungen ist, lass dich nicht auf solche und ähnliche Spielchen ein.

Wenn eine Rechnung nicht bezahlt wird und du sogar einen Zahlungsplan hast und der dann auch nicht eingehalten wird, dann hole dir fachliche/rechtliche Unterstützung und spare dadurch Zeit und Nerven.

 


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