Krisenmanagement im Corona-Chaos – Dein Fahrplan durch die Unternehmenskrise

Krisenmanagement

Krisenmanagement bedeutet einen kühlen Kopf zu bewahren und nach Lösungen zu suchen anstatt die Schuldfrage zu klären. Die Corona-Hilfen haben nur kurz geholfen und jetzt ist der Kreditrahmen schon wieder voll ausgenutzt. Die Zahlungsfähigkeit deines Unternehmens ist stark eingeschränkt, es besteht ein Liquiditätsengpass. Nun stellst du dir die Frage, was die ersten Puzzle-Teile in diesem Corona-Chaos sind und wie du sie zusammenfügen kannst, damit du vorankommst?

Statt erfolgreich zu verhandeln und Aufträge abzuarbeiten und sich danach aufs Wochenende zu freuen, betreibst du Krisenmanagement. Du sortierst Absagen, Verschiebungen und telefonierst den verbliebenen (potenziellen) Kunden nach?

Einige alte Rechnungen sind offen, du erreichst die Kunden jedoch nicht oder sie sagen, dass sie aktuell nicht zahlen können?

Einige Lieferantenrechnungen und Zahlungen ans Finanzamt und Krankenkasse hast du mit Beginn der Corona-Krise gestundet – doch nun sollst du zahlen oder zumindest einen Zahlungsvorschlag abgeben?

Die Coranahilfen haben nur kurz geholfen und jetzt ist der Kreditrahmen schon wieder voll ausgenutzt. Die Zahlungsfähigkeit deines Unternehmens ist stark eingeschränkt, es besteht ein Liquiditätsengpass.

… mit anderen Worten:

Es ist zum Wegrennen, doch es ist real – die Corona-Krise ist bei dir angekommen, und zwar ganz konkret in deinem Unternehmen, auf deinem Konto, in deiner Geldbörse, in deinem Leben.

Doch du bist ein Macher, sonst wärst du ja kein Unternehmer – doch es ist wie bei diesen verdammten 1000-Teile Puzzles. Du weißt genau, dass du es hinbekommst, wenn du erstmal ein kleines Cluster zusammenhast und etwas Zeit investierst, bist du nicht mehr aufzuhalten. Dann packst du dieses 1000-Teile Puzzle, auf jeden Fall.

Nun stellst du dir die Frage, was die ersten Puzzle-Teile in diesem Corona-Chaos sind und wie du sie zusammenfügen kannst, damit du vorankommst?

Hier unser Fahrplan zum Krisenmanagement:

1. Finde Lösungen für deinen Liquiditätsengpass und halte dich nicht ewig mit der Schuldfrage an deiner Unternehmenskrise auf

Wäre das nicht gewesen, dann wäre jenes nicht eingetreten. Das hilft dir nicht und kostet Zeit und Energie.

Wenn du die Situation bzw. die Rahmenbedingungen aktuell nicht ändern kannst, dann akzeptiere die Situation und gehe über zu Schritt 2.

Damit meinen wir nicht, dass du alles gutheißen sollst. Wenn erforderlich, beauftrage einen Anwalt und lass deine Rechte durchsetzen.

Doch für den Moment akzeptiere die Situation und arbeite an Lösungen. Wenn die Situation durch Fehler deiner Mitarbeiter oder deine eigenen Fehler entstanden ist, analysiere die Fehler und stelle sicher, dass sie sich nicht wiederholen.

Und auch dann -akzeptiere die Situation.

2. Kommuniziere sachlich und offen, dann bewahrst du auf jeden Fall Ruhe in der Unternehmenskrise

Ruhe bewahren

Selbst wenn deine Lieferanten oder wer auch immer dich am Telefon anbrüllen, weil du deine Rechnungen noch nicht bezahlt hast, verfalle nicht in irgendwelche voreiligen und unbedachten Zusagen -bewahre Ruhe.

Sei ehrlich

Teile ihnen mit, dass du dir erst einen Gesamtüberblick verschaffen musst, bevor du Zahlungen oder Teilzahlungen zusagt. Sage ihnen, dass eine Zusage zu einer Zahlung keinen Wert hat, wenn du ihnen nur deswegen eine Zahlung avisierst, weil sie es von dir hören wollen. Eine nicht eingehaltene Zusage ist am Ende immer schlimmer als die Bitte um einige Tage Zeit, damit du eine verlässliche Aussage treffen kannst.

Sei effizient

Fange nicht an, jeden Tag deinen Angeboten hinterher zu telefonieren. Gib deinen potenziellen Auftraggebern Zeit, sich mit deinem Angebot auseinanderzusetzen. Auch sie haben ggf. mit den Auswirkungen der Corona-Krise zu kämpfen. Und ja, ggf. holen sie sich Vergleichsangebote ein. Am besten du vereinbarst einen telefonischen Folgetermin und lässt deinen potenziellen Kunden bis dahin in Ruhe. Wenn dein Kunde nachverhandeln will, wird er sich melden. Wenn er woanders unterschreiben möchte, wirst du es vermutlich durch wiederholtes Nachtelefonieren nicht verhindern, sondern nervst ihn ggf. nur – bewahre auch hier die Ruhe.

Rede mit anderen

Rede mit deinen Mitarbeitern und mit deinen Geschäftspartnern. Sage ihnen, dass einiges zurzeit nicht so läuft wie sie und du es gerne hätten. Teile ihnen mit, dass du dir alles in Ruhe anschaust und an einer Lösung arbeitest und dich in wenigen Tagen wieder bei ihnen melden wirst – was du dann auch umsetzen solltest.

Drohe nicht mit Insolvenz, wenn das keine Option ist

Bitte erliege nicht der Versuchung mit einer Insolvenz zu drohen, wenn das keine Option ist. Wenn gar nichts mehr geht und es lässt sich keine Insolvenz vermeiden – gut, dann ist das so, dann ist das der richtige oder auch manchmal einzige Weg.

Als Reaktion auf Mahnungen oder auch Drohungen, dir einen Gerichtsvollzieher zu schicken oder dergleichen mehr mit der Insolvenz deines Unternehmens zu drohen hilft am Ende nicht der anderen Seite und dir auch nicht.

Es gibt Situationen, da lässt sich eine Insolvenz nicht vermeiden. Doch so lange du antrittst, diese zu vermeiden, drohe auch nicht damit.

3. Fange an zu planen oder überarbeitete deine Liquiditätsplanung

Damit du am Ende zu echten Lösungen kommst und nicht nur deine Liquiditätsprobleme wie eine riesige Bugwelle vor dir herschiebst, kommst du nicht umhin, die nächsten Wochen und besser noch auch die nächsten Monate zu planen.

Wenn du keinen Überblick hast, findest du auch keinen Durchblick. Doch wie stellst du das an?

Du benötigst eine Liquiditätsplanung, die deine erwarteten Geldeingänge (von deinen Kunden oder auch von anderen Quellen) und deine geplanten Geldausgaben (Lastschriften, Überweisungen von Rechnungen, Lohn, Ratenzahlungen, etc.) enthält und die auch deine Reserven (Kontogutgaben) und -wenn vorhanden- auch freie Dispolinien bei deiner Bank (oder auch bei mehreren Banken) berücksichtigt.

Bei der Aufstellung deiner Liquiditätsplanung kannst du auch Stundungen berücksichtigen bzw. mit Geschäftspartnern sprechen, um Zahlungstermine zu verschieben.

Hierbei solltest du zuerst die grundsätzliche Bereitschaft der Vertragspartner abstimmen und noch nichts bestätigen. Eine Bestätigung über eine Verschiebung macht erst Sinn, wenn deine Planung fertig ist und du alles abgeklopft/geprüft und zusammengeführt hast.

Wenn du deine Liquidität der kommenden Wochen und Monate final geplant und mit deinen Reserven/Linien verglichen hast, dann erkennst du, ob du zusätzliche Mittel (Geld oder einen größeren Kreditrahmen) benötigst oder ob die vorhandenen Geldmittel/Linien ausreichen

Auf jeden Fall hast du am Ende eine Aussage, ob und wenn ja wieviel Geld du benötigst, um dein Unternehmen am Laufen/Leben zu halten.

4. Schließe deine Liquiditätslücke – beseitige den Liquiditätsengpass

Nachdem du deine Liquiditätsplanung aufgestellt hast, kennst du auch deinen Liquiditätsbedarf.  Um diesen zu decken gibt es verschiedene Möglichkeiten u.a.:

  1. Leih dir Geld innerhalb der Familie oder im Freundeskreis

Vielleicht hast du noch im Privatbereich freies Geld -ggf. auch innerhalb der Familie/ Verwandtschaft- das du hierfür nutzen kannst.

  1. Beleihe bestehende Versicherungsverträge

Manchmal besteht zum Beispiel die Möglichkeit, einen Versicherungsvertrag zu beleihen.

  1. Stelle einen Kreditantrag bei der Hausbank

Du stellst einen gut begründeten Kreditantrag, einen nachvollziehbaren Antragsgrund, ggf. eine kurzes Unternehmenskonzept und deine Planung enthält.

In unserem Blog haben wir genau das ausführlich erklärt. Entdecke jetzt im 1. Teil unserer Serie, wie du einen Kreditantrag wie ein Profi stellst.

Manche Unternehmer scheuen den Gang zur eigenen Hausbank und bitten jemanden in der Familie (mit festen Arbeitseinkommen) einen Ratenkredit bei einer der vielen Banken aufzunehmen und nutzen dieses Geld. Hier sollte du aber unserer Meinung nach sehr vorsichtig sein, denn dein Familienmitglied muss diesen Ratenkredit jeden Monat pünktlich bezahlen, egal ob du in der Lage bist, ihn/ihr die Rate pünktlich zu zahlen oder gibst oder auch etwas später oder eben gar nicht.

5. Wieder „Geld verdienen“ und keine neuen Löcher aufreißen

Nun konzentriere dich auf deine verbliebenen Aufträge, arbeite daran neue/weitere Aufträge zu erhalten und sei selbst vorsichtig, wenn deine Kunden nicht pünktlich zahlen.

Versuche für deine Kunden intern Limite zu vergeben.

Zum Beispiel könntest du für deine Kunden je nach Unternehmensgröße festlegen, dass du erst weiterarbeitest, wenn die Außenstände bei dir nicht größer sind als X Euro. Teile das deinen Kunden mit, achte darauf, dass deine Verträge die Möglichkeit enthalten, bei Außenständen die Arbeit ruhen zu lassen.

Nur weil deine Kunden ggf. ein größeres Unternehmen haben als du, sind sie nicht davor gefeit, selbst Probleme zu bekommen. Dumm wenn du in einer schwierigen Situation, in der du gerade einen Kredit aufgenommen hast, neue Außenstände aufbaust und immer weiterarbeitest – auch wenn vereinzelte Kunden nicht zahlen.

Habe das im Auge – gute Arbeit, für gutes (und pünktliches) Geld.

 


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