23. Was ist Factoring und kann ich das auch in meinem Business nutzen?

1. Was passiert beim Factoring?

Beim Factoring reichst du deine Kundenrechnungen (erbrachten Dienstleistungen oder Verkäufe) bei einer Factoringgesellschaft (Factor genannt) ein und der Factor zahlt dir den Rechnungsbetrag sofort auf dein Konto. Du musst also nicht auf dein Geld aus der Rechnung bis zur Zahlungsfälligkeit warten und erhältst eine Vorfinanzierung. Der Factor berechnet dir dafür Gebühren und in den meisten Fällen Zinsen, du bezahlst also seine Leistungen.

Die wichtigsten Voraussetzungen damit der Factor die Rechnung auszahlt sind:

  • Das Ergebnis der Bonitätsprüfung deines Kunden durch den Factor ist positiv und
  • Dein Unternehmen kann die Richtlinien/Bedingungen als Vertragspartner des Factors erfüllen.

Dein Kunde zahlt diese Rechnung dann je nach vereinbarter Zahlungsfrist später an die Factoringgesellschaft und damit ist die Vorfinanzierung abgeschlossen.

Klingt einfach, ist es vom Grundsatz her auch. Doch es gibt einiges zu beachten und abzuwägen. Daher ist Factoring für viele Unternehmen eine Alternative, aber nicht für alle. Um das besser beurteilen zu können und das für dich „richtige“ Factoring zu finden haben wir nachfolgend die häufigsten Fragen beantwortet.

2. Was bedeuten die Fachbegriffe, die im Zusammenhang mit Factoring häufig verwendet werden?

Im Factoring wirst du einige Fachbegriffe lesen, die dir vielleicht nicht alle bekannt sind. Bevor du mit einer Factoringgesellschaft sprichst solltest du die Begriffe und deren Bedeutung und auch Unterschiede kennen, damit du weißt über was gesprochen wird.

Offenes vs. stilles (verdecktes) Verfahren

Beim Factoring kauft der Factor (oder auch Factoringgesellschaft genannt) deine Rechnung an. Du trittst damit den Anspruch auf Bezahlung der Rechnung durch deinen Kunden dem Factor ab. Im Gegenzug zahlt er dir den Rechnungsbetrag (ggf. mit Abzügen bzw. in mehreren Teilbeträgen).

Beim offenen Factoring wird deinem Kunden (Debitor genannt), der die angekaufte Rechnung später bezahlen soll, der Ankauf durch die Factoringgesellschaft angezeigt. Die Factoringgesellschaft schreibt deinen Kunden an und teilt ihm mit, dass der Anspruch auf den Rechnungsbetrag an die Factoringgesellschaft abgetreten wurde und dass das Geld nur an die Factoringgesellschaft gezahlt werden darf.

Als Alternative besteht die Möglichkeit, ein stilles Factoring zu vereinbaren. Die Factoringgesellschaft hat auch hier durch den Ankauf der Rechnung die Rechte auf Zahlung abgetreten bekommen. Nur zeigt sie es deinem Kunden (dem Debitor) nicht an.

Wenn du nicht möchtest, dass deine Kunden über das Factoring informiert werden, dann wähle ein stilles Factoring.

Übernahme bzw. Nichtübernahme des Delkredere bzw. Delkredererisikos

Zahlt dein Kunde (der Debitor) seine Rechnung nicht oder nur teilweise, entsteht ein Zahlungsausfall. Dieses Risiko wird als Delkredererisiko bezeichnet. Im nächsten Punkt erfährst du, bei welcher Factoringform sich das Risiko absichern lässt.

Echtes vs. unechtes Factoring

Beim echten Factoring übernimmt die Factoringgesellschaft das komplette Ausfallrisiko. Zahlt also dein Kunde nicht oder nur einen Teilbetrag, dann übernimmt die Factoringgesellschaft den Ausfall bzw. das Delkredererisiko. Das ist vergleichbar mit einer Ausfallversicherung.

Beim unechten Factoring übernimmt die Factoringgesellschaft das Ausfallrisiko nicht oder nur teilweise. Zahlt dein Kunde nicht, dann musst du den vorfinanzierten Rechnungsbetrag an die Factoringgesellschaft zurückzahlen, ggf. nur einen Teilbetrag, falls die Factoringgesellschaft einen Anteil am Ausfall mitträgt. Zahlt er nur einen Teilbetrag, kommt es darauf an, wieviel er bezahlt und ob die Factoringgesellschaft einen Teil des Ausfalls übernimmt

Einzelrechnungsfactoring vs. Rahmenvertrag

Beim Einzelrechnungsfactoring entscheidest du bei jeder Rechnung neu, ob du diese zur Vorfinanzierung einer Factoringgesellschaft einreichen wirst oder nicht. Diese Form ist sehr flexibel.

Hast du einen Rahmenvertrag ist in der Regel festgelegt, dass du alle Rechnungen einzureichen hast.

Es gibt auch Rahmenverträge, bei denen nur das Rechnungsvolumen festgelegt ist, dass musst du nur so viele Rechnungen einreichen, bis das Volumen (je Monat/Quartal oder Jahr) erreicht ist, darüber hinaus entscheidest du je Einzelfall.

Beim Rahmenvertrag sind in der Regel die Konditionen der Factoringgesellschaft besser, dafür aber die Flexibilität geringer.

Full-Service vs. Einzelleistungen

Beim Full-Service übernimmt der Factor neben der Vorfinanzierung das Ausfallrisiko, das Mahnwesen und das Inkasso.

Dem gegenüber stehen die Einzelleistungen – hier wählst du aus, was du neben der Vorfinanzierung an weiteren Leistungen nutzen möchtest.

All-In-Gebühr vs. Einzelne Gebühren

Bei der All-In Gebühr kalkuliert die Factoringgesellschaft ihrer Kosten und macht dir ein Angebot, bei dem alle Leistungen über einen einigen Betrag/Gebühr bezahlt werden. Zum Beispiel 1,2% der Bruttorechnungssumme. Häufig werden All-In-Gebühren mit Rahmenverträgen so gekoppelt, dass bei höheren Volumen, der Gebührensatz sinkt (zum Beispiel bis 500.000 EUR pro Jahr 1,5% auf die Bruttorechnungssumme und wenn der Betrag von 500.000 EUR überschritten wird, dann 1,2% auf den Gesamtbetrag oder auf die Beträge oberhalb der 500.000 EUR – das ist dann teilweise  Verhandlungssache).

Wählst du Einzelleistungen zahlst du separat

  • für die Prüfung des Ankaufs,
  • für die Zinsen von Ankauf bis zum Zeitpunkt, wenn dein Kunde zahlt
  • das Delkredererisiko (Versicherung des Ausfallrisikos aus der Rechnung), wenn vereinbart
  • die Factoringgebühr (die Grundkosten des Ankaufs und Abwicklung bei der Factoringgesellschaft)

Gesamtlimit vs. Ankaufslimit

Beim Gesamtlimit handelt es sich um den Höchstbetrag an Rechnungsbeträgen, die dir der Factor maximal für dich gleichzeitig vorfinanziert.

Beim Ankaufslimit handelt es sich um die maximale Höhe, die der Factor von einem deiner Kunden (einem Debitor) vorfinanziert.

Vollauszahlung vs. Teilauszahlung

Bei Vollauszahlung bekommst du 100% der Rechnung ausgezahlt. Bei Teilauszahlung in der Regel zwischen 80 bis 95% der Rechnungssumme – je nach Factoringgesellschaft und Vertragsvereinbarungen. Den Restbetrag zahlt dir der Factor, nachdem dein Kunde (Debitor) die Rechnung vollständig an den Factor beglichen hat.

Die Auszahlungen haben jedoch nichts mit der Übernahme des Delkredererisikos zu tun. Übernimmt dein Factor kein Delkredererisiko und dein Kunde zahlt nicht an den Factor, dann musst du den Betrag (selbst bei 100% Auszahlung) wieder an den Factor zurückzahlen.

Inkasso von Rechnungen

Mit dem Inkasso ist der Einzug der Rechnungen gemeint, also „jemand“ kümmert sich, dass die Zahlung der Rechnung überwacht wird. Wenn nicht gezahlt wird, dann werden Mahnungen und notfalls gerichtliche Schritte (Mahnbescheid, Zahlungsklage) vorgenommen.

Das Wort „Inkasso“ wird wohl bei fast allen Unternehmen negativ bewertet.

Im Zusammenhang mit Factoring kann es aber auch bedeuten, dass eine Factoringgesellschaft eine Rechnung nicht vorfinanziert und nur den Zahlungseingang überwacht. Wenn das Geld von deinem Kunden beim Factor eingeht, zahlt er es an dich. Das kommt zum Beispiel vor, wenn das o.a. Ankaufslimit überschritten ist und du einen Rahmenvertrag mit dem Factor hast. Dann reichst du der Factoringgesellschaft die Rechnung trotzdem ein, sie wird nicht vorfinanziert und nur zum „Inkasso“ übernommen (also die Zahlung überwacht).

In diesem Fall bedeutet Inkasso nicht automatisch was Negatives.

Zahlt dein Kunde jedoch seine vorfinanzierte Rechnung nicht an den Factor und Factor betreibt danach das Inkasso der Forderung, dann ist damit etwas Negatives verbunden.

Verität der Rechnung

Mit Verität ist gemeint, ob das der Rechnung zugrundeliegende Geschäft (Verkauf, Dienstleistung) tatsächlich existiert oder ggf. später durch deinen Kunden angefochten werden kann. Dein Kunde teilt dir oder Factoringgesellschaft später zum Beispiel mit, dass die Rechnung zu Unrecht gestellt wurde, weil du gar nichts geliefert hattest oder die Rechnungsbedingungen falsch sind oder ähnliche Gründe. Dieses Risiko geht auf die Factoringgesellschaft über, wenn sie eine Rechnung von dir ankauft.

3. Für wen ist Factoring sinnvoll?

Factoring ist eine andere Form der Vorfinanzierung von Rechnungen, die ein Zahlungsziel enthalten (also zum Beispiel Zahlung nach 7, 14, 30, 60, 90 Tage), neben der Möglichkeit eine Kontokorrentlinie zu nutzen oder die Rechnungen aus eigenen Guthaben vorzufinanzieren.

Hast du keine oder eine unzureichende Kontokorrentlinie, räumst deinen Kunden aber gleichzeitig Zahlungsziele ein und brauchst das Geld trotzdem eher, dann kann Factoring für dich eine sinnvolle Lösung sein.

Wenn du mit deinen Kunden Vorkasse ausgemacht hast, dann brauchst du kein Factoring für diese Kunden. Ggf. haben aber potenzielle Neukunden nach einem Zahlungsziel gefragt, dann ist Einzel-Factoring ggf. doch eine Alternative für diese Neukunden.

Wenn du einige bonitätsstarke Kunden hast (bekannte Mittelständler und/oder Konzerne) und du mit keinem mehr als zwischen 10-15% des Umsatzes machst, dann lohnt sich ggf. sogar ein Rahmenvertrag mit Andienungspflicht.

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Warum?

Konzerne erwarten häufig 60 Tage und mehr Zahlungsziel, es gibt in der Regel kaum Probleme beim Ankauf und du hast mit wenig Aufwand sofort Geld auf deinem Konto und kannst besser planen.

Arbeitest du mit Verbrauchern (B2C) kannst du auch hier gut Factoring als eine Möglichkeit der Zahlformen für deine Kunden integrieren – hierfür gibt es spezialisierte Factoringgesellschaften. In der Praxis bietest du deinen Kunden beim Checkout-Vorgang eine Zahlpause an (zum Beispiel: 14 Tage oder auch bis zu 100 Tagen). Oder du wirbst mit „Zahlung auf Rechnung“. Beim Bestellvorgang prüft die Factoringgesellschaft im Hintergrund die Bonität deines Kunden und wenn die passt, bekommt der Verbraucher seine Lieferung gegen Rechnung und du dein Geld sofort.

Selbst für Handwerker und Bauunternehmen oder auch Unternehmen mit großen Projekten gibt es zwischenzeitlich Factoringangebote.

Aus unserer Sicht lohnt sich daher die Prüfung des Factorings für fast jedes Unternehmen, das nicht von einzelnen Kunden abhängig ist, denn Abhängigkeiten von einzelnen Kunden sehen Factoringgesellschaften als sehr „kritisch“ an.

4. Wann bekomme ich Geld und werden alle Rechnungen vorfinanziert?

Geld kommt im Idealfall am nächsten Tag nach Einreichung bei der Factoringgesellschaft auf dein Konto. Manchmal dauert es auch 2-3 Tage.

Je nach Anbieter und konkreten Vertrag werden 100%, oder auch etwas weniger (zwischen 80% bis 95%) vom Bruttobetrag gezahlt. Kommt es in deinem Vertrag zu Abschlägen bei der Auszahlung, wird der Rest an dich überwiesen, wenn dein Kunde seine Rechnung bezahlt hat.

Der Factor prüft vor Ankauf, ob er die Rechnung übernehmen wird. Es kann also sein, dass er deinen Kunden für nicht gut genug hält (Bonität) oder das Ankauflimit für diesen Kunden überschritten ist. Im Rahmen der Bonitätsprüfung legt der Factor auch fest, bis zu welcher Höhe er Rechnungen deines Kunden ankauft. Wird dieses Limit dann überschritten, finanziert der Factor erst wieder neue Rechnungen dieses Kunden, wenn ältere Rechnungen bezahlt werden.

Um keine Risiken einzugehen am Ende doch nicht sofort Geld für Rechnungen zu erhalten, solltest du im Vorfeld klären, ob dein Factor für deine jeweiligen Kunden Rechnungen ankaufen wird und wie hoch das Ankauflimit je Kunde sein wird. Danach solltest du prüfen, ob das Ankaufslimit für deinen Kunden zum geplanten Umsatz mit diesem Kunden passt.

Ein Rahmenvertrag mit einem Factor macht daher unter Umständen keinen Sinn, wenn du alle Rechnungen einreichst, jedoch bei einem erheblichen Teil das Ankaufslimit zu niedrig ist und du dein Geld nicht sofort erhältst.

Beachte bitte auch unsere Hinweise zu Punkt 6. Dort erfährst du, was passiert, falls ein Kunde von dir seine Rechnung nicht an den Factor bezahlt.

5. Was kostet mich das Factoring?

Es ist nicht möglich, eine allgemeinverbindliche Aussage zu den Kosten des Factorings im Vorfeld zu treffen.

Bei einer Finanzierung kannst du einen Effektivzins berechnen bzw. berechnen lassen, danach ist ein Vergleich einfacher. In Deutschland gibt es mehr als 150 Factoringgesellschaften mit unterschiedlichen Gebührenmodellen. Diese unterscheiden sich selbst bei identischen Leistungen zur Dauer der Vorfinanzierung der Rechnungen, Übernahme des Delkredererisikos und Factoringvolumen je Jahr erheblich.

Aus unseren Erfahrungen mit kleinen und mittleren Unternehmen können wir dir als grobe Richtschnur sagen, dass du bei einem Rahmenvertrag zwischen 0,8 bis 1,5% auf den Bruttorechnungsbetrag erwarten kannst.

Beim Einzelfactoring musst du mit ca. 1,5 bis 2,5% Kosten in Höhe der Bruttorechnungssumme rechnen.

Hier hilft es dir, konkrete Anfragen an Factoringgesellschaften mit gleichen Leistungen zu stellen und dann die angebotenen Gebühren mit dem geplanten Volumen zu berechnen und zu vergleichen.

6. Was passiert, wenn mein Kunde die Rechnung nicht zahlt?

Zahlt dein Kunde eine angekaufte Rechnung nicht wird der Factor

  • das Mahnverfahren beginnen
  • dich informieren (dann kannst du auch mit deinem Kunden dazu sprechen)
  • wenn weiterhin nicht gezahlt wird, rechtliche Schritte einleiten
  • Keine weiteren Rechnungen zu diesen Kunden mehr von dir ankaufen

Hast du ein echtes Factoring mit vollständiger Übernahme des Delkredererisikos musst du nichts zurückzahlen, falls dein Kunde nicht zahlt.

Hast du unechtes Factoring mit keiner Übernahme des Delkredererisikos musst du den erhaltenen Betrag an den Factor zurückzahlen. Hast du eine teilweise Übernahme des Delkredererisikos musst du nur was zurückzahlen, wenn du mehr bekommen hast als gegen den Ausfall vereinbart (versichert) ist.

Wenn du prüfen willst, ob deinem Unternehmen ein Liquiditätsengpass droht kannst du unseren kostenlosen Schnelltest nutzen. Hier kannst du prüfen, in welchen Unternehmensbereichen in Bezug auf die Liquidität Risiken bestehen und erhältst sofort konkrete Handlungsvorschläge für dieses Bereiche.
Hier geht’s zum kostenlosen Schnelltest.

Wenn du Fragen zu deiner Unternehmenssituation hast, dann vereinbare mit uns eine 15- minütige kostenlose Situationsanalyse.

Schreibe uns gerne einen Kommentar und berichte, welche Erfahrungen du mit Factoring gemacht hast.

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