Die 11 häufigsten Ursachen für Liquiditätsprobleme und wie du sie beseitigst | Teil 2

In Teil 2 unseres Blogartikels zeigen wir dir weitere häufige Ursachen für Liquiditätsprobleme in Unternehmen und erläutern dazu einfache und umsetzbare Tipps zur Beseitigung.

In Teil 1 haben wir Ursachen Nr. 1 bis 6 erläutert:

  • Sinkende Rentabilität
  • Falsche Preiskalkulation
  • Forderungsausfälle oder verspätete Zahlungseingänge
  • Verspätete Rechnungsstellung
  • Nicht berücksichtigte Steuernachzahlungen bzw. Steuervorauszahlungen
  • Zu geringer Finanzierungsrahmen für Betriebsmittel
jesus arrow Sticker by Christival

Ursache Nr. 7 – Zu hohe Privatentnahmen

Liquiditätsprobleme entstehen sehr häufig, weil Einzelunternehmer bei der Kontoführung geschäftliche und private Dinge vermischen. Die Folge ist in vielen Fällen ein fehlender Überblick, wenn das Geschäftskonto auch für laufende private Zahlungen mit genutzt wird.

Auch wird häufig vergessen, rechtzeitig die Höhe der Privatentnahmen an sinkende Gewinne/Überschüsse anzupassen.

Das gilt auch für Steuer- und Vorsorgezahlungen, die neben den Entnahmen für die laufende Lebenshaltung zu berücksichtigen sind.

Gerade wenn die Höhe der Entnahmen auf Basis des aktuellen Kontostandes spontan nach oben angepasst wird, dabei aber die kommende Steuerzahlung der nächsten Monate übersehen wird, kann es schnell zu Liquiditätsengpässen kommen, sofern die Steuerzahlungen (bzw. entsprechende Entnahmen für die Steuer) dann ebenfalls vom Geschäftskonto beglichen werden (müssen).

Das kannst du tun, um den Überblick über deine Privatentnahmen zu behalten

  • Achte auf eine strenge Trennung zwischen Geschäfts- und Privatkonto, sorge dafür, dass alle privaten Zahlungen ausschließlich über dein Privatkonto laufen.
    Insbesondere „spontane private Einkäufe“ über das Geschäftskonto sind tabu
  • Betrachte deine Entnahmen als Gehaltszahlungen, die zu einem festen Termin und in der festgelegten Höhe auf dein Privatkonto erfolgen
  • Ermittle die passende Entnahmehöhe auf Basis deiner Unternehmensplanung (siehe Ursache Nr. 1) unter Berücksichtigung der voraussichtlichen Steuer- und Vorsorgezahlungen und auch der aktuellen Entwicklung (Plan-/Ist-Abgleiche)
  • Sofern du den Steueranteil in deinen monatlichen Entnahmen mitberücksichtigt hast, zahle deine private Einkommensteuer auch von deinem privaten Konto
  • Das gleiche gilt für deine Vorsorgezahlungen (Krankenkasse sowie Beiträge für die Altersvorsorge

Ursache Nr. 8 – Starkes und schnelles Umsatzwachstum

Unternehmenswachstum aufgrund einer guten Auftragslage oder der gezielte Ausbau weiterer Geschäftsbereiche kann schnell zu einem Liquiditätsproblem werden, auch wenn die Rentabilität ausreichend Gewinne ausweist.

Klingt für den einen oder anderen paradox, ist aber eine häufige Herausforderung für Unternehmen.

Unternehmenswachstum muss in den allermeisten Fällen vorfinanziert werden und wenn dies nicht erkannt und geplant wird, dann kann die Zahlungsfähigkeit eines Unternehmens dadurch unter Umständen massiv beeinträchtigt werden.

Umsatzwachstum geht in der Regel mit einem Anstieg der variablen und auch z.T. der Fixkosten einher. Die Höhe und die Dauer Vorfinanzierung ist dabei sehr unterschiedlich und hängt vom Geschäftsmodell, der Branche und den Zahlungs-Usancen der Auftraggeber bzw. Kunden ab.

Das kannst du tun, um deinen Finanzierungsrahmen zu überprüfen

  • Erstelle eine Umsatz- und Kostenplanung unter Berücksichtigung der neuen Unternehmensziele oder passe deine bestehende Planung an
  • Definiere anhand der Planung und der Kalkulationsergebnisse Deckungsbeiträge für die einzelnen Geschäftsbereiche, Produkte bzw. Produktgruppen oder Dienstleistungen, die mindestens erreicht werden müssen
  • Plane und berücksichtige zukünftige Investitionen insbesondere im Zusammenhang mit dem geplanten Umsatzwachstum
  • Plane für den Wachstumszeitraum mindestens auf Monatsbasis
  • Passe deine Liquiditätsplanung an und ermittle den Finanzierungsbedarf (kurzfristig und langfristig)
  • Kläre anhand des ermittelten Finanzierungsbedarfs, wie du die Finanzierung sicherstellen kannst – z.B. Erhöhung Kontokorentlinie bei deiner Hausbank, Erhöhung der Lieferantenlinien, Kapitaleinlagen, Beteiligungen

Ursache Nr. 9 – Nicht fristengerechte Finanzierungsstruktur

Eine weitere häufige Ursache für Liquiditätsengpässe ist eine ungünstige Finanzierungsstruktur. Damit ein Unternehmen eine stabile Finanzierungsbasis hat, ist neben dem ausgewogenen Verhältnis von Eigen- und Fremdkapital auch die passende Fristenkongruenz zwischen der Investition und der Finanzierung notwendig.

Fristenkongruenz heißt, dass Investitionen (Anschaffung von Vermögensgegenständen, die für die Umsatzerzielung erforderlich sind) auch möglichst für den Zeitraum der Nutzung/Verweildauer im Unternehmen finanziert werden.

Eine Maschine, die für 8 Jahre im Unternehmen genutzt wird, sollte daher möglichst mit einer Finanzierung über den gleichen Zeitraum abgesichert sein. Ob die Finanzierung über Eigen- oder Fremdkapital erfolgt ist egal. Wichtig ist, dass die Bindung des Kapitals für diesen Zeitraum beachtet wird. Da heißt bei Fremdkapital keine Finanzierung durch kurzfristige Mittel (Kontokorrent) und bei Eigenkapital, keine Entnahmen zu Lasten des bestehenden Eigenkapitals.

Werden die Finanzierungsmittel vorzeitig gekürzt, wird deinem Unternehmen Liquidität entzogen, da die Finanzierung der Investition in deiner Preiskalkulation zwar berücksichtig ist, sich aber der Rückfluss aus den Überschüssen über die geplante Nutzungszeit verteilt.   Das kann passieren, wenn über einen KK-Linie finanziert wird und diese dann unverhofft gekürzt wird.

Das gleiche gilt für den Ausbau von Lagerbeständen. Wenn Lagerbestände z.B. für Handelswaren aufgebaut werden, wird dadurch Liquidität gebunden. Sofern sich der Lagerbestand dauerhaft erhöht ist eine kurzfristige Finanzierung (egal ob Eigen- oder Fremdkapital) ungünstig.

Insbesondere im Handel kann der Lageraufbau (z.B. bei starkem Umsatzwachstum) bei einer falschen Finanzierung schnell zu einem akuten Liquiditätsengpass bis hin zur Zahlungsunfähigkeit führen.

Beispiel:

Der Bestandsaufbau wird zu Lasten der Kontokorrentlinien bei Banken und durch Ausnutzung von Lieferantenlinien (i.d.R. 30-60 Tage Zahlungsziel) finanziert.

Der Verkauf der Ware führt aber nicht zu einer Entlastung der Liquidität, da infolge des geplanten (oder auch ungeplanten) Bestandsaufbaus weniger Ware verkauft als gekauft wird.

Wenn nun die Bank oder die Lieferanten (bei einer Fremdfinanzierung) die Linien kürzen, da die erhöhe Inanspruchnahme ggf. falsch interpretiert wird, kann das sehr schnell zu einem akuten Liquiditätsengpass führen.

Das kannst du tun, um deine Finanzierungsstruktur zu verbessern

  • Überprüfe die aktuelle Finanzierungsstruktur im Unternehmen und kläre ab, ob die Investitionen mit den passenden Finanzierungslaufzeiten getätigt wurden. Du kannst mehr zu diesem Thema in unserem Blogartikel „In 3 Schritten die optimale Finanzierungsstruktur ermitteln“ nachlesen
  • Kläre bei Bedarf eine Umschuldung von kurzfristigen Finanzierungen in langfristige Finanzierungen, sofern die Fristenstruktur nicht passt
    Mehr zum Thema „Kreditantrag wie ein Profi stellen“ kannst du in unserem Blogbeitrag nachlesen
  • Kläre bei künftigen Investitionen neben dem Kapitalbedarf auch den passenden Finanzierungsbedarf

Ursache Nr. 10 – Auslaufende Kontokorrentkredite

Der Kontokorrentkredit dient in erster Linie zur Überbrückung von kurzfristigen Schwankungen zwischen Zahlungseingängen und Zahlungsausgängen.

Auch für die kurzfristige Vorfinanzierung von Waren- oder Materialeinkäufen ist der Kontokorrentkredit gut geeignet.

Achtung – Nicht aber für die Finanzierung von Waren- und Materialeinkäufen für den langfristigen Bestand (Sockelbestand im Lager)!

Was von vielen Unternehmen nicht beachtet wird ist, dass eine Bank jederzeit mit einer kurzen Vorlaufzeit von wenigen Wochen einen unbefristeten Kontokorrentkredit kündigen kann.

Die Linien werden in meisten Fällen unbefristet bzw. für ein Jahr gewährt und die Bank entscheidet in beiden Varianten auf Basis

  • der Kontoführung
  • des Kontoratings sowie
  • den aktuellen wirtschaftlichen Daten des Unternehmens

über eine Verlängerung und eine Anpassung der Konditionen, insbesondere, wenn sich die wirtschaftlichen Verhältnisse nach Einschätzung der Bank verschlechtert haben.

Das bedeutet, dass gerade in Situationen, in denen ein Unternehmen – aus welchen Gründen auch immer-  aufgrund der aktuellen Situation zwingend ausreichend Liquidität benötigt, um weiterhin ausreichend Umsätze zu generieren, oftmals ein zusätzlicher Liquiditätsengpass durch Reduzierung oder Streichung von Linien (sowohl durch Banken als auch Lieferanten) entsteht.

Das kannst du tun, um das Risiko einer Linienstreichung zu vermeiden

  • Vermeide alles was zu einer Verschlechterung deines Kontorating und deiner Bonitätsbewertung (bei deiner Bank, Auskunfteien und Kreditversicherern) führen könnte
  • Achte darauf, dass der Kontokorrentkredit nur zur kurzfristigen Finanzierung genutzt wird
  • Vermeide Dauerinanspruchnahmen
  • Achte darauf, dass die Linie nur bis max. 80 % in Anspruch genommen wird (im Durchschnitt), höhere Durchschnittsauslastungen führen in der Regel zu einer Verschlechterung des Kontoratings
  • Vermeide Überziehungen, sofern sich eine kurzfristige Überziehung nicht vermeiden lässt, stelle hierzu rechtzeitig bei deiner Bank einen Überziehungsantrag
  • Vermeide Rücklastschriften
  • Nutze möglichst 2 Bankverbindungen, auf die du deine Geschäftsumsätze verteilst
  • Prüfe, ob bei der 2. Bankverbindung ebenfalls eine Kontokorrentlinie zur Verfügung gestellt werde kann
  • Vermeide Zins- und Tilgungsrückstände bei Finanzierungen
  • Prüfe die Angaben der Auskünfte über dein Unternehmen und kläre ggf. nicht korrekte Einträge – mehr zu Auskünften kannst du in unserem Blogartikel zum Thema nachlesen
  • Informiere die Banken über dein Unternehmen durch regelmäßige Einreichung der aktuellen Betriebswirtschaftlichen Auswertungen inklusive Summen- und Saldenlisten, idealerweise mit Vorjahresvergleichen sowie Debitoren- und Kreditorenlisten.
  • Der Einreichungsintervall richtet sich nach der individuellen Vereinbarung in deinem Kreditvertrag, wir empfehlen aber mindestens vierteljährlich
  • Wichtig ist hierbei, dass du die Unterlagen nicht unkommentiert einreichst, sondern Abweichungen oder Besonderheiten bei den Umsätzen und/oder den Kostenpositionen zu den letzten Geschäftsjahren entsprechend erläuterst, so vermeidest du Fehlinterpretationen (bei ungünstigem Geschäftsverlauf solltest du auch über deinen Gegenmaßnahmen berichten)

Mehr zum Thema Kontorating kannst du in unserem Blogartikel „Was ist ein Kontorating“ und „Wann wird ein Kontorating erstellt?“ nachlesen.

Ursache Nr. 11 – Umstellung der Konditionen durch Lieferanten (z.B. Kürzung der Einkaufslinien und Zahlungsziele)

Ähnlich wie bei einem Kontokorrentkredit bei einer Bank, können die Einkaufslinien bei Lieferanten ebenfalls kurzfristig gekürzt oder gestrichen werden. Auch die Konditionen und die Zahlungsziele können angepasst werden. Im ungünstigsten Fall wird so dein Finanzierungspielraum gekürzt und dadurch die Liquidität eingeschränkt.

Um Problemen beim Wareneinkauf gegenzusteuern mache dir zunächst bewusst, dass es zwar verschieden Einkaufswege, gibt wie:

  • Lieferung durch einen Hersteller
  • Lieferung durch einen Zwischen- oder Großhändler
  • Warenbezug durch eine Einkaufsgenossenschaft-/ Kooperation
  • Einbezug eines Finetraders (Gesellschaft, die deinen Einkauf vorfinanziert und dies du dann nach 30,60,90 oder auch 120 Tagen bezahlst)

sich jedoch in allen Fällen deiner Geschäftspartner Gedanken über deine Bonität, die Absicherung ihres Risikos und damit über die Höhe und Ausgestaltung der Einkaufslinien machen.

Das kannst du tun, um Kürzungen bei Lieferantenlinien zu vermeiden

  • Informiere die Lieferanten über dein Unternehmen durch regelmäßige Einreichung der aktuelle Betriebswirtschaftliche Auswertung inklusive Summen- und Saldenliste, idealerweise mit Vorjahresvergleich sowie Debitoren- und Kreditorenliste
  • Beachte die Wettbewerbssituation des Lieferanten zu anderen Lieferanten bei Einreichung der Kreditorenliste – in selten Fällen macht es Sinn, auf die Vorlage der Kreditorenliste zu verzichten, manchmal ist es aber auch förderlich, wenn der Lieferant einen Mitbewerber auf deiner Liste entdeckt)
  • Der Einreichungsintervall richtet sich nach der individuellen Vereinbarung in deinem Rahmenvertrag mit dem Lieferanten, wir empfehlen aber mindestens vierteljährlich
  • Wichtig ist hierbei, dass du die Unterlagen nicht unkommentiert einreichst, sondern Abweichungen oder Besonderheiten bei den Umsätzen und/oder den Kostenpositionen zu den letzten Geschäftsjahren entsprechend erläuterst, so vermeidest du Fehlinterpretationen.
  • Die meisten Lieferanten sichern ihre Einkaufslinie bei einer Warenkreditversicherung ab, daher frage jeweils nach, bei welcher und sende deine Betriebswirtschaftlichen Zahlen mit Kommentierung auch der jeweils eingebundenen Warenkreditversicherung zu (diese wird nicht mit dir über die Absicherung sprechen, nimmt aber deine Unterlagen entgegen und nimmt über dich bzw. dein Unternehmen eine Rating- und Risikobeurteilung vor)
  • Bedenke, dass du mit dem Einreichen von Unterlagen bei einer Warenkreditversicherung es selbst in der Hand hast, welche Informationen die Gesellschaft erhält und wie ggf. was diese sieht und wie ggf. weniger positive Ergebnisse durch deine Kommentierung verarbeitet werden; lieferst du nichts, stochert die Warenkreditversicherung im Dunkeln und agiert mit großer Wahrscheinlichkeit mangels konkreter Informationen eher vorsichtiger
  • Verhandle mit deinem Lieferanten für einen längeren Zeitraum (ggf. 1 Jahr) das geplante Abnahmevolumen, ggf. Bonifikationen, Zahlungsziele und spreche dann auch die Höhe der Lieferantenlinie und ggf. anfallende Zinsen an
  • Dränge darauf, dass du die Rahmenvereinbarung schriftlich bekommst (dann sind spätere kurzfristige Anpassungen für den Lieferanten schwieriger und du kannst auf Vereinbarungen verweisen und Zeit gewinnen, um dich auf Anpassungen einzustellen)
  • Auch hier gilt: Verringere dein Risiko im Einkauf, indem du verschiedene Bezugsquellen nutzt, das gilt nicht nur für den Bezug im Ganzen (manche Unternehmen bestellen sämtliche Produkte bei einem einzigen Großhändler/ Kooperation), sondern auch für einzelne Produkte; du
  • Du kannst ein Produkt durchaus beim Hersteller selbst und auch zusätzlich beim Fach-/Großhandel (oder bei 2 Großhändlern parallel) bestellen, um bei Konditionsänderungen oder Lieferengpässen nicht von einem Lieferanten abhängig zu sein (selbst wenn das zu Lasten von Mengenbonifikationen geht, solltest du diese Risikoverteilung stets prüfen)
  • Die Lieferprobleme wg. Covid-19-Auswirkungen haben diese Wichtigkeit eindrücklich bestätigt

Manche Lieferanten nutzen Zentralregulierer, welche über die Höhe der Einkaufslinien der Linie bestimmen, hier musst du dann sowohl mit dem Lieferanten als auch dem Zentralregulierer verhandeln.

Question Mark What Sticker by bentuber

Wenn du Fragen zu deiner Unternehmenssituation hast, dann vereinbare mit uns eine 15- minütige kostenlose Situationsanalyse.

Leave a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.