18. So erstellst du deine eigene Liquiditätsplanung

1. Welchen Sinn/ welches Ziel hat eine Liquiditätsplanung überhaupt?

Vielleicht gehörst du auch zu den Unternehmern, die bisher keine Liquiditätsplanung gebraucht oder sich darum gedrückt haben. Solange ausreichend Geld auf dem Konto ist, drückt der Schuh bei den meisten Unternehmen nicht. Doch sobald das Geld knapper wird, ist der Zeitpunkt für eine Liquiditätsplanung gekommen.

Und falls durch Corona deine finanziellen Reserven innerhalb weniger Wochen aufgebraucht sind, wird es höchste Zeit mit der eigenen Liquiditätsplanung zu beginnen. Wenn du jetzt auf der Suche nach einer Anleitung bist, dann ist unser Beitrag genau richtig für dich.

Reden wir zuerst über den Sinn bzw. das Ziel der ganzen Sache.

Grob gesagt: Die Liquiditätsplanung soll dir im 1. Schritt zeigen, wieviel Liquidität (Bargeld + Kontoguthaben) du am Ende der zukünftigen Wochen oder alternativ auch am Ende der zukünftigen Monate jeweils übrig hast, bzw. ob dir Geld/Liquidität fehlen wird.

Im nachfolgenden Screenshot siehst du das (zusammengefasste) Ergebnis einer Liquiditätsplanung für 8 Wochen. Hier steht bei 2 Wochen eine grüne Zahl (Geld vorhanden) und bei 6 Wochen eine rote Zahl (Geld fehlt).

Im nachfolgenden Screenshot siehst du das (zusammengefasste) Ergebnis einer Liquiditätsplanung für 8 Wochen. Hier steht bei 2 Wochen eine grüne Zahl (Geld vorhanden) und bei 6 Wochen eine rote Zahl (Geld fehlt).

Sobald also deine Liquiditätsplanung wie in unserem Beispiel Minusbeträge (rot) anzeigt, besteht akuter Handlungsbedarf.

Wenn du den Handlungsbedarf erkannt hast, dann wirst du in einem 2. Schritt verschiedene Maßnahmen mit dem Ziel prüfen und durchsetzen (weiter unten mehr), dass danach alle Wochen/Monate passen. In unserem Beispiel sind die nächsten 8 Wochen positiv/grün – es wird dann also genug Liquidität vorhanden sein.

Der Sinn der Liquiditätsplanung besteht also im Ermitteln deiner Liquiditätsentwicklung und bei Bedarf der Beschaffung zusätzlicher Liquidität, um Zahlungsschwierigkeiten bzw. Zahlungsengpässe zu vermeiden.

2. Welche Informationen bzw. Daten gehören in eine Liquiditätsplanung?

Für deine Liquiditätszahlung brauchst du nur die Geldeingänge sowie die notwendigen Geldausgänge auf deinem Konto oder bar (falls das in deinem Business ein Thema ist) zu betrachten.

Einfach ausgedrückt – alles was den Saldo deines Geschäftskontos ansteigen oder fallen lässt.

Wenn du einen Auftrag erhalten hast, der in 6 Monaten beginnt, dann ist das zwar schön, doch für die Liquiditätsplanung der nächsten 6 Monate uninteressant. Ausnahme hierbei: Zahlt dir dein Auftraggeber vorab eine Anzahlung innerhalb der nächsten 6 Monate, dann fließt Geld auf dein Konto und dann interessiert dich diese Anzahlung für deine Liquiditätsplanung.

Da bei der Liquiditätsplanung die Ein- und Auszahlungen (Konto oder bar) betrachtet werden, sind bei der Liquiditätsplanung für dich nicht die Nettobeträge, sondern Bruttobeträge – sowohl bei den Einnahmen als auch bei den Ausgaben wichtig.

Zusätzlich solltest du Tilgungsraten und deine Privatentnahmen (bei Einzelfirmen/ Personengesellschaften) berücksichtigen. Beide Positionen haben in der deiner Gewinnermittlung nichts verloren. Für die Liquiditätsplanung sind sie jedoch wichtig, da jeweils Geld von deinem Geschäftskonto abfließt.

Aus einem ähnlichen Grund ist AfA (Abschreibung) kein Thema, da hier kein Geld zu oder abfließt. Notwendige Anschaffungen jedoch (für die AfA gebildet wird) sind in der Liquiditätsplanung zu berücksichtigen, da du sie bezahlen musst (bar oder über dein Konto).

Neben den genannten Positionen ist dein Kontostand wichtig und vorhandene Dispo- oder Kreditlinien.

3. Aufbau einer einfachen Liquiditätsplanung

Grundsätzlich ist die Struktur einer Liquiditätsplanung sehr einfach.

Du betrachtetest am Anfang der Woche:

Kontostand + Bargeldbestand
+ zzgl. alle erwarteten Geldeingänge auf dem Konto
+ zzgl. alle erwarteten Bar-Einnahmen
– abzgl. alle erwarteten/geplanten Geldausgänge vom Konto
– abzgl. alle erwarteten/geplanten Bar-Ausgaben
_______________________________________________________________
= Kontostand + Bargeldbestand am Ende der Woche
+ freier Anteil der Dispolinie
= verfügbare Liquidität am Ende der Woche

Du erkennst also, ob am Ende der Woche eine freie Liquidität vorhanden ist oder ob Liquidität fehlt. Diese Planung wird dann für die nächsten Wochen weitergeführt.

Nachfolgend der Musteraufbau einer Liquiditätsplanung als Excel-Screenshot:

Wir empfehlen dir die nächsten 8 bis 12 Wochen Wochenweise zu planen. Danach kannst du monatsweise – mindestens für ein Jahr- weiter zu planen.

4. So füllst du deine Liquiditätsplanung aus.

Jetzt geht es darum, dass du alle Eingangs- und Ausgangszahlungen je Woche ermittelst und du zunächst die kommenden 8 bis 12 Wochen planst.

Wir empfehlen dir dazu eine einfach eine Exceltabelle zu nutzen.

Du schaust dir dazu jede einzelne Ausgangsrechnung an. Auf deinen Ausgangsrechnungen hast du sicher eine Fälligkeit eingetragen. Wenn du nach allem was du weißt von einer pünktlichen Zahlung ausgehen kannst, dann trägst den Bruttobetrag in deiner Excel-Tabelle in der Woche der Zahlungsfälligkeit ein.

Hast du Skonto eingeräumt und dein Kunde zahlt üblicherweise mit Skonto, dann trage das in die Woche ein, wann er voraussichtlich zahlen wird und ziehe vom Bruttobetrag auch gleich den Skontobetrag ab.

Haben sich Kunden bei dir gemeldet und um eine spätere Zahlung gebeten, dann berücksichtige den Termin, den du mit ihnen vereinbart hast – ggf. in mehreren Teilbeträgen.

Hast du Mahnungen versendet bzw. dich mit einigen Kunden noch nicht geeinigt, dann setze dich mit ihnen in Verbindung und lote aus, wann sie zahlen können und versuche eine verbindliche Vereinbarung mit ihnen zu erreichen.

Wenn sich Kunden schon ewig nicht gemeldet haben, sich immer verleugnen lässt oder du andere Informationen hast, wonach du erstmal kein Geld zu erwarten hast, dann rechne nicht mit diesem Geld. Du kannst deinen Anwalt oder ein Inkassobüro beauftragen oder erstmal eine weitere Mahnung schreiben, berücksichtige aber in den kommenden Wochen nicht diesen Betrag in deiner Liquiditätsplanung.

Wenn du mit den Ausgangsrechnungen fertig bist, nimm dir die Eingangsrechnungen vor. Die Beträge, die abgebucht werden, trage in die Wochen ein (brutto), in denen abgebucht wird. Das Gleiche machst du mit Tilgungsraten, den Umsatzsteuerzahlungen des Finanzamtes, Einkommens-/Körperschaftssteuer-/Gewerbesteuervorauszahlungen, Krankenkassen etc.

Nach den Lastschriften geht’s an die Überweisungen. Trage die Bruttobeträge in den Wochen ein, wann die Rechnungen fällig sind. Hast du bereits Ratenzahlungen oder Stundungen vereinbart, dann nimm die Teilbeträge bzw. die neuen Fälligkeiten und trage das in deine Excel-Tabelle ein.

Wenn du fertig bist, kannst du für jede der kommenden Wochen die Einzahlungen und die Auszahlungen summieren.

Hier geht’s zu unserem kostenlosen Planungspaket

5. Wie soll ich eine Liquiditätsplanung erstellen, wenn ich meine Umsätze der nächsten Monate nicht kenne?

Nach den kommenden 8-12 Wochen geht es an die kommenden Monate. Nach einigen Wochen ist es nicht mehr sinnvoll ist, jede einzelne Woche zu planen, da du das für die Zukunft dann nicht mehr so genau eingrenzen kannst.

Für die Zeit nach den nächsten 8-12 Wochen kennst du einige Daten (Umsatz, einige Kosten) sicher noch nicht. Daher greifst du am besten auf deine Umsatz- und Kostenplanung zurück, aus der du deine zukünftigen Geldeingänge sowie die Geldausgänge ableiten kannst.

Wenn du keine Umsatz- und Kostenplanung hast, dann kannst du hierzu unser kostenlosen Planungspaket nutzen.

  • wir zeigen dir, wie du eine Planung schnell und einfach selbst erstellst
  • du bekommst ein umfangreiches Exceltool

Nach unserer Erfahrung nutzen viele Unternehmen bereits einfache Excel-Lösungen, um so eine Unternehmensplanung für das nächste Jahr abzubilden.

Wir haben daher für die Eigennutzung durch die Unternehmen ein Planungstool entwickelt, das alle benötigen Planungen enthält.

Mithilfe unseres kostenlosen Planungstools erstellst du deine Umsatz- und Kostenplanung für mindestens 1 Jahr. In unserem Planungstool ist auf Monatsbasis bereits einen Liquiditätsplan enthalten.

Nutzt du deine eigene bestehende Umsatz- und Kostenplanung, dann notierst du dir analog der Verfahrensweise die Ein- und Ausgänge auf Monatsbasis und du hast am Ende eine Excel-Tabelle, die für die nächsten Wochen und Monate die Ein- und Ausgänge und auch Kontostände und freie Dispo- bzw. Kreditlinien ausweist.

Der Übergang von Wochen auf Monate ist dabei ganz einfach. Du beendest deine Wochenweise Betrachtung in einer Kalenderwoche am Monatsende (hier im Beispiel Ende der 32. KW – also Ende Juli) und in der nächsten Spalte steht dann der beginnende Folgemonat (im Beispiel hier der August).

6. Wie sieht ein kompletter Liquiditätsplan aus?

Wir haben dir mal den kompletten Liquiditätsplan aus unserem Planungstool für 1 Jahr abgebildet. Diesen Plan kannst du deiner Bank vorlegen. Für einen Kreditantrag bei der Bank reicht der Plan auf Monatsbasis genauso wie du ihn hier siehst.

Nachfolgend die Beschriftung (größer), damit du siehst, wie die Zeilenbeschriftungen lauten.

Dieses Beispiel ist aus unserem detaillierten (kostenpflichtigen) Planungstool. Der Liquiditätsplan aus unserem kostenlosen Planungstool enthält die gleichen Bestandteile.

Der Unterschied zwischen den beiden Planungstools besteht nur in deinem Arbeitsaufwand. Beim kostenlosen Planungstool hast du selbst mehr auszufüllen und zu berechnen, bei unserem detaillierten Planungstool nimmt dir das Tool eine Reihe von Berechnungen ab.

Hier geht´s zu unserem kostenlosen Planungspaket.

7. Was kann ich machen, wenn der Plan zeigt, dass Geld fehlt?

Der Liquiditätsplan soll dir helfen, den Überblick zu behalten und dir auch den Umfang an fehlender Liquidität aufzeigen, die du zur Vermeidung von Zahlungsschwierigkeiten für dein Unternehmen „beschaffen“ musst.

Nachfolgend listen wir dir wirksame Möglichkeiten auf. Wir unterscheiden hierbei nach Möglichkeiten mit und ohne Unterstützung (d)einer Bank.

Liquidität ohne Banken verbessern:

  • Mit deinen Geschäftspartnern eine spätere Zahlung deiner zu begleichenden Rechnungen verhandeln (Stundung) oder eine Ratenzahlung
  • Mit Krankenkassen und/oder Finanzamt oder deiner Gemeinde (Gewerbesteuer) über Stundungsmöglichkeiten oder einen Abzahlungsbescheid (Raten) sprechen
  • Mit deinen eigenen Kunden über schnellere Zahlungen sprechen (Skonto anbieten, ggf. auch noch nachträglich)
  • Mit deinen säumigen Kunden Teilzahlungen verhandeln (Ratenzahlung)
  • Den Umsatz durch kurfristige wirkende Maßnahmen ankurbeln (Preisnachlässe, Postenabverkäufe)
  • Eigene Reserven als Privateinlage ins Unternehmen einzahlen (Personengesellschaften) oder als Kapitaleinlage bzw. Gesellschafterdarlehen einbringen (Kapitalgesellschaften)
  • Verwandte/Freunde/Investoren finden, die dir einen Kredit geben oder dich an deinem Unternehmen beteiligen
  • Einen neuen Geschäftspartner finden, der sich an deinem Unternehmen (mit Geld) beteiligt und zukünftig mit dir zusammen dein Unternehmen führt
  • Wenn du Mitarbeiter hast, könntest du von deinen Mitarbeitern erhalten oder aber deine Mitarbeiter beteiligen sich am Unternehmen und bezahlen dir Anteile und du gibst das Geld deinem Unternehmen

Liquidität mit Banken verbessern:

  • Mit allen Banken über zeitweise Raten-/Tilgungsaussetzung sprechen (Zinsen werden meistens trotzdem verlangt – achte darauf, dass die ausgesetzten Raten ans Ende der Laufzeit „drangehängt“ werden und nicht sofort nach Ender Stundung in kurzer Zeit nachzuzahlen sind – es sei denn, du willst das tatsächlich so)
  • Die Erhöhung der Dispo-/Kontokorrentlinie bei deiner Bank beantragen
  • Ein Liquiditätshilfedarlehen (Betriebsmitteldarlehen) bei deiner Bank beantragen
  • In manchen Bundesländern können auch Förderdarlehen direkt bei der Förderbank des Landes beantragt werde

Mehr zum Thema Kreditantrag kannst du in unseren Blogartikeln zum Thema „Kreditantrag“ nachlesen – hier geht’s zu Teil 1

Wenn du Unterstützung bei der Erstellung deiner Liquiditätsplanung benötigst, dann kannst du unser kostenloses Planungspaket nutzen.

Wenn du dir nicht sicher bist, ob du alle Aspekte einer Planung berücksichtigt hast, du ein Feedback benötigst oder du Fragen zu deine Unternehmenssituation hast, dann vereinbare mit uns eine 15- minütige kostenlose Situationsanalyse.

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